Selbstzweifel: Unsicherheit besiegen in fünf Schritten

Selbstzweifel besiegen

Selbstzweifel im Job sind keine Seltenheit. Gerade wenn jemand ein neues Job-Angebot oder eine neue Aufgabe bekommt, schlagen sie gnadenlos zu. Dann wird die erste Freude darüber von der Unsicherheit begleitet, ob man auch wirklich das Zeug dazu hat. Das gilt für Führungskräfte wie Mitarbeiter gleichermaßen.

Solche Gedanken sind völlig normal. Vor allem dann, wenn du dich lange nicht beworben oder verändert hast. Entscheidend ist jetzt, dass du dich davon nicht ins Bockshorn jagen lässt. Denn in 98% der Fälle ist es nicht deine mangelnde Kompetenz, die dir im Weg steht. Es sind vielmehr deine Gedanken und inneren Überzeugungen, die dich ausbremsen.  

„Ob Sie glauben, Sie können es, oder ob Sie glauben,
Sie können es nicht, Sie werden auf jeden Fall Recht behalten.“

Henry Ford

So ähnlich ging es auch Peter, als ihm die Leitung des technischen Kundenservices für ein renommiertes IT-Unternehmen angeboten wurde.

Interesse hatte er schon. Allerdings zweifelte er, ob er den Anforderungen gewachsen sei. Denn er war zwar Informatiker und hatte bereits neun Jahre Berufserfahrung. Dennoch hatte er bislang niemals Mitarbeiter geführt. Die neue Abteilung umfasste fünfzehn Mitarbeiter, die alle schon mindestens fünf Jahre im Unternehmen arbeiteten.

Diese Selbstzweifel führten dazu, dass er überlegte, ob er die neue Stelle trotz Interesse ausschlagen solle. Denn es fühlte sich sicherer an, in der aktuellen Position weiter zu arbeiten.

Im Individual-Coaching haben wir dann in fünf Schritten seine Bedenken ausgeräumt. Was wir im Einzelnen gemacht haben, kannst du hier nachlesen, um es für dich oder deine Mitarbeiter anzuwenden.

Selbstzweifel besiegen in fünf einfachen Schritten

Es gibt fünf Dinge, die du tun kannst, damit derartige Gedanken nicht zu Selbstzweifeln führen. Die nämlich stehen dir bei der Frage „Bin ich gut genug für den neuen Job?“ im Weg.

Wenn du diese fünf Schritte nacheinander gehst, wirst du sehr schnell merken, dass sich deine Bedenken in Luft auflösen. Folglich kannst du neue Chancen beherzt ergreifen, ohne an deiner Kompetenz zu zweifeln.

💡 TIPP: Mach die Übungen schriftlich. Das hat den Vorteil, dass dir viele Dinge klarer werden und dass du schneller ins Handeln kommst.

1. Eigene Glaubenssätze erkennen

Du bist, was du denkst. Mit anderen Worten, unsere Gedanken steuern unsere Gefühle und die wiederum unser Handeln. Wir können uns demnach mit positiven Gedanken bestärken. Im Umkehrschluss sind wir allerdings auch in der Lage, uns mit negativen Gedanken selbst zu sabotieren. Und das lässt die Selbstzweifel ansteigen.

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Häufig steuern uns auch im Erwachsenenalter – ob im Privatleben oder bei der Arbeit – noch Leitsätze, die wir in der Kindheit und Jugend regelmäßig gehört haben. Irgendwann haben wir sie dann ungefiltert als „Wahrheit“ übernommen und nie mehr in Frage gestellt.

Im Falle von positiven Sätzen wie „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“ oder vielen Sätzen aus dem Kölschen Grundgesetz wie zum Beispiel „Et hätt noch immer jot jejange“ ist das sicherlich wünschenswert und bestärkend.

Allerdings gibt es auch innere Überzeugungen, die uns gerade im beruflichen Kontext ausbremsen und Selbstzweifel unnötig anfeuern. Im Folgenden sind einige Beispiele aufgelistet:

„Geld verdirbt den Charakter“

„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“

„Kind und Karriere funktionieren nicht“

Negative Glaubenssätze lähmen

Du kennst sicher noch viele weitere ähnliche Formulierungen. Sie sind vermeintlich trivial und dennoch so mächtig!

Was passiert nämlich, wenn du solche Glaubenssätze verinnerlicht hast!?

Richtig! Ab einem bestimmten Gehalts-Level oder Alter hindern dich derartige Überzeugungen am nächsten Schritt. 

Denn wer will schon einen schlechten Charakter haben!? Oder willst du dir etwa im Alter die Blöße geben, dass du es nicht mehr drauf hast, weil du’s einfach nicht mehr lernen kannst!?

Du siehst, weshalb solche Glaubenssätze so mächtig sind. Sie steuern uns unbewusst und lassen uns am nächsten Schritt zweifeln. Bezogen auf dein Job-Angebot bedeutet das, dass du dir die neue Herausforderung nur bedingt oder vielleicht gar nicht zutraust. Dadurch lässt du wohlmöglich eine gute Chance ungenutzt verstreichen.

Selbstzweifel nagen am Selbstbewusstsein

Und was dabei noch viel schlimmer ist: Diese Gedanken schmälern dein Selbstbewusstsein. Dein Vertrauen in die eigenen Kompetenzen sinkt.

Das fatale dabei ist: Es funktioniert unbewusst auf ganz subtile Weise. Die Huffington Post hat zur Macht der Glaubenssätze einen interessanten Artikel geschrieben. Es ist lohnenswert, sich damit zu beschäftigen.

Denn solche beschränkenden Glaubenssätze sind oft völliger Blödsinn! Warren Buffet, einer der reichsten Männer der Welt, hat sinngemäß gesagt „Geld verdirbt nicht den Charakter, sondern zeigt den wahren Charakter.“

Und wissenschaftliche Studien haben längst bewiesen, dass unser Gehirn bis ins hohe Alter lernen kann. In einem Interview der Zeit mit dem Lernforscher Christian Stamov Roßnagel erfahren wir, dass ältere Menschen Jüngere sogar überflügeln können.

ÜBUNG 1: Frag dich, welche Glaubenssätze du verinnerlicht hast. Überlege, mit welchen Leitsätzen du aufgewachsen bist. Mach dir Notizen dazu, inwieweit sie dich unterstützen oder eher bremsen.

2. Eigen- und Fremdbild abgleichen

Häufig sehen wir uns selbst kritischer als andere das tun. Denn bei unserem Eigenbild, also dem, was wir selbst über uns denken, gehen wir gern sehr streng mit uns ins Gericht. Das schürt natürlich die Selbstzweifel. Andere sehen uns weniger kritisch. Sie haben ein positiveres Fremdbild von uns, als wir von uns selbst.

ÜBUNG 2: Um hier Abhilfe zu schaffen, befrage dein Umfeld. Frag sie, wie sie dich jemandem beschreiben würden, der dich nicht kennt. Du wirst überrascht sein, wie viel positives Feedback da kommt!

Schreib es dir auf und erweitere diese Liste  kontinuierlich. Denn das ist ein unbezahlbarer Schatz! Sie gibt dir vor allem an Tagen, wo es einmal nicht läuft, neue Energie. Und solche Tage hat jeder Mensch, selbst erfolgreiche Unternehmer wie Jeff Bezos von Amazon oder Larry Page von Google haben Tage, wo es einfach nicht rund läuft.

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Peter hat sein Umfeld befragt. Zunächst hat er im engsten Familien- und Freundeskreis angefangen, sich also auf „sicherem Terrain“ bewegt. Er war positiv überrascht, wieviel bestärkende Rückmeldung er erhalten hat. Das hat ihm den Mut gegeben, auch Kollegen oder sogar Vorgesetzte zu befragen.

Auf diese Art und Weise hat er gelernt, dass andere in ihm Qualitäten sehen, die ihn durchaus für eine Führungsrolle qualifizieren. Dieser Talente war er sich bis dahin nicht bewusst, da er sie für selbstverständlich gehalten hat.

3. Schlimmstes Szenario ausmalen 

Dennoch war Peter nach den ersten beiden Schritten nicht ganz überzeugt, dass er wirklich das Job-Angebot annehmen sollte. Sein Einwand lautete: „Ja, mag ja sein, dass andere in mir diese Qualitäten sehen, aber das macht aus mir noch lange keine gute Führungskraft. Ich kann den Karren auch ganz schön gegen die Wand fahren, wenn mir die Erfahrung fehlt.“

Gut, daraufhin haben wir die „worst case scenario“ Übung gemacht. Hier geht es darum, sich das schlimmst-mögliche Szenario vorzustellen.

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ÜBUNG 3: Stell dir vor, es läuft wirklich alles komplett schief, und es gelingt einfach gar nichts. Nehmen wir an, du bist im neuen Job und merkst nach kurzer Zeit, du wirst den Anforderungen nicht gerecht. 

  • Wie sieht das aus? 
  • Was genau passiert dann? 
  • Wie fühlst du dich dabei? 
  • Was sagt dein Umfeld dazu?

Selbstzweifel greifbar machen

Ziel der Übung ist es, deine Ängste greifbar zu machen. Denn oftmals haben wir eine diffuse Vorstellung davon, dass etwas nicht gut laufen könnte. Allerdings ist sie selten konkret fassbar. Das liegt unter anderem daran, dass derartige Ängste und Sorgen von unterbewussten Glaubenssätzen gesteuert werden, die wir nicht beeinflussen können, solange sie unbewusst ablaufen.

Auch hier können wir wieder von den großen erfolgreichen Unternehmern lernen. Jeff Bezos ist fest davon überzeugt, dass der Tod von Amazon unausweichlich ist. Das tut er auch öffentlich kund. Bemerkenswert ist, wie er mit diesem „worst case scenario“ umgeht.

Statt in Furcht zu erstarren, antwortet er proaktiv auf die Frage, ob ihn das beunruhige: „Es bereitet mir keine Sorge, weil ich weiß, dass ich nichts dagegen tun kann. Unternehmen kommen und gehen. Das gilt selbst für die schillerndsten und wichtigsten der jeweiligen Zeit.“

4. Dem Worst Case vorbeugen

So, und jetzt, wo du dir dein persönliches „Horror-Szenario“ bildlich vorgestellt hast, geht es darum, es zu entkräften.

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ÜBUNG 4: Überlege, was du dagegen tun kannst, dass es gar nicht erst zu dieser Horror-Situation kommen kann.

Hier sind einige Bespiele, die auf Peters Liste standen, um präventiv mögliche Wissenslücken zu schließen und sich bestmöglich auf die neue Aufgabe vorzubereiten.

  • Sich vorher im Internet schlau machen 
  • Die 2-3 besten Bücher zum Thema Leadership lesen
  • Eine Präsenz-Weiterbildung zu Führungskompetenz besuchen
  • Mit einem Coach individuell an der eigenen Situation arbeiten
  • Einen online Kurs zu Mitarbeiterführung buchen

Du siehst, es gibt unzählige Möglichkeiten, das „worst case scenario“ zu verhindern. Es liegt in deiner Hand, was du unternimmst.

Eigenverantwortlich handeln

Mach dir bewusst, dass das Thema Eigenverantwortung entscheidend für dein Fortkommen ist. Du bestimmst, wohin deine Reise geht. Denn es geht ja schließlich um dich. Du willst weiterkommen. Und wer sonst, wenn nicht du, sollte sich darum kümmern?

Das bedeutet, warte nicht, bis jemand die „entdeckt“. Du bist nicht abhängig davon, dass dein Chef oder jemand anderes dir eine derartige Maßnahme ermöglichst. 

Du kannst und solltest selbst rechtzeitig aktiv werden, um die beruflich weiterzuentwickeln. Sei dein eigener Entdecker! Nimm das Zepter selbst in die Hand. Dafür braucht es kein großes Budget, sondern nur deinen Willen.

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5. Selbstzweifel realistisch bewerten

Ja, ein neuer Job birgt sicher immer ein gewisses Risiko. Du weißt nicht genau, wie es sich konkret bis ins kleinste Detail gestaltet. Denn Glaskugel lesen zählt vermutlich nicht zu deinen Kernkompetenzen.

Allerdings kannst du durch die zuvor genannten Punkte bereits eine Menge Zweifel ausschalten. Denn das Risiko wird konkreter. Die anfangs empfundene diffuse Angst weicht ein paar konkreten Punkten, für die du im vierten Schritt gezielt Maßnahmen überlegen kannst.

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So bekam auch Peter eine greifbare Vorstellung davon, was er bereits für die neue Aufgabe an Qualitäten mitbringt und was er zusätzlich noch lernen möchte. Daraus hat er einen ganz konkreten Handlungsplan für sich abgeleitet und sukzessive abgearbeitet.

Aber damit greife ich vor. Bevor er das getan hat, haben wir noch eine letzte Übung gemacht. Und zwar hat er mit Blick auf das „worst case scenario“ bewertet, inwieweit seine Befürchtungen realistisch Bestand haben.

Dabei haben wir mit einer Skalenfrage gearbeitet. Auf einer Skala von 1 bis 10 bedeutet „1 = sehr unwahrscheinlich“ und „10 = sehr wahrscheinlich“. Der Vorteil der Skalenfrage ist, dass sie „weiche“ Faktoren greifbar macht.

ÜBUNG 5: Frage dich auf einer Skala von 1 bis 10: Wie wahrscheinlich ist es, dass dieses „worst case szenario“ eintritt, wenn du die oben beschriebenen vorbeugenden Maßnahmen ergreifst?

Na? Hand auf‘s Herz: Es ist denkbar unwahrscheinlich, richtig!? Also worüber machst du dir Gedanken!? Merkst du jetzt, dass du dich selbst ausbremst? Es passiert alles in deinem Kopf.

Genauso war es auch bei Peter. Nachdem er die einzelnen Schritte durchgearbeitet hatte, konnte er gar nicht mehr verstehen, weshalb ihm das neue Job-Angebot anfangs so viel Respekt eingeflößt hatte.

Ein Job-Angebot ist niemals eine Investition in die Zukunft

Weshalb wohl wirst du für eine neue Position in Betracht gezogen? 

Richtig! Weil du dir die Lorbeeren dafür bereits in der Vergangenheit verdient hast. Denn bedenke: Ein neues Job-Angebot oder eine Gehaltserhöhung sind niemals eine Investitionen in die Zukunft.

Sie basieren vielmehr immer auf deinen vergangenen Leistungen. Allein das Angebot ist also schon ein Tribut an deine Kompetenz, die du dir über Jahre erarbeitet hast. 

Genau das hat Peter ebenfalls für sich realisiert. Mittlerweile arbeitet er bereits seit 1,5 Jahren erfolgreich in seiner Rolle als Leiter des technischen Kundenservices. Es macht ihm Spaß, sich selbst weiterzubilden und seine Mitarbeiter zu entwickeln.

Solltest du nach den Übungen immer noch zweifeln, dann arbeite einem erfahrenen systemischen Coach zusammen. Es geht schließlich um dein Fortkommen!

„Aus Angst, ich pack’s nicht, hätte ich um ein Haar den Job ausgeschlagen. Heute bin ich sehr zufrieden, dass ich durch die Arbeit mit Dagmar Gerigk meine Zweifel ausräumen konnte. Denn es ist genau mein Ding, Verantwortung für ein Team zu haben.“

Peter S., Coachee

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FAZIT: Besiege auch du mögliche Selbstzweifel und ergreife deine Chance. Du kannst es! Ich wünsch dir viel Erfolg dabei!

About The Author

Dagmar Gerigk

Dagmar Gerigk ist Führungstrainer und Erfolgscoach aus der Praxis für die Praxis. Ihre Schwerpunkte sind Führungskompetenz, Kommunikation und Prozessoptimierung. Sie verfügt über mehr als 20 Jahre Führungserfahrung aus Konzernen, KMU und als Unternehmerin. Zusätzlich ist sie zertifizierter systemischer Coach und Buchautorin.