Selbstständigkeit leben statt nur träumen

Selbstständigkeit lässt viele von Freiheit träumen aber auch das finanzielle Risiko fürchten. Hier schauen wir uns an, wie du diese mentale Hürde nimmst.

Die Freiheit, der eigene Chef zu sein

Die Freiheit, der eigene Chef zu sein, reizt sicherlich, wenn da nicht das unstete Gehalt, der Druck, ständig neue Aufträge zu akquirieren und die anfängliche Existenzangst wären. 

Letzteres führt dazu, dass viele Menschen zwar von selbstbestimmtem Arbeiten träumen, sich diesen Wunsch allerdings nie erfüllen. 

Auch ich hätte es fast nicht gewagt. Um ein Haar hätte ich mich darum gebracht, heute meinen Traum zu leben und so richtig fett zufrieden und glücklich zu sein! Die Blogparade von Lexoffice hat mich animiert, dir meine Geschichte zu erzählen. 

Die Angst vor finanzieller Unsicherheit

Ja, natürlich habe auch ich mich von finanziellen Zwängen und  Sicherheitsdenken immer wieder ausbremsen lassen. 

Über die Jahre hatte ich es sogar geschafft, mir mein ganz persönliches Horror-Szenario zu kreieren. Ich war ziemlich gut darin, mir auszumalen, wie alles den Bach runtergeht, wenn ich den Sprung in die Selbstständigkeit wage. 

Und dennoch habe ich es getan. Lass mich dir erzählen wie und vor allem welche mentale Monster-Hürde ich dabei überwunden habe. 

Selbständig versus angestellt

Als ich 45 Jahre alt wurde, war ich kurz davor, alles zu verlieren, was mir wichtig war. Tagsüber arbeitete ich Vollzeit in einem Dow Jones-Konzern und nachts für meinen langgehegten Traum, ein eigenes Unternehmen zu führen. Zwischendurch habe ich versucht, für unsere beiden damals sieben- und zehnjährigen Söhne die beste Mutter der Welt zu sein.

Ein normaler Tag fing morgens um fünf Uhr an und endete gegen ein oder zwei Uhr nachts. Dazwischen jonglierte ich mit Kindererziehung, meinem Vollzeit-Job als Marketingleiterin, dem normalen Hausfrauenalltag, sozialem Engagement und dem Versuch, nebenberuflich meinen Feinkosthandel endlich zum Fliegen zu bringen.

Beides ist auf Dauer schwierig

Nach drei Jahren streikte mein Körper. Ich konnte einfach nicht mehr Stunden aus meinem Schlaf rausstehlen. Ich war ständig müde, konnte mich immer schwerer konzentrieren und hatte häufig Herzrasen. 

Das Schlimmste war jedoch, dass ich ungeduldig und ungehalten mit unseren Kindern wurde. Einfache Dinge wie „Mama, Lukas hat mir meinen Teddy weggenommen“ ließen mir den Geduldsfaden reißen, wenn sie im falschen Moment kamen. 

Und damals war so ziemlich immer der falsche Moment.

Mit den Konsequenzen leben können

Zweifellos war es fünf nach zwölf. Ich musste dringend etwas ändern. Ich war hin- und hergerissen zwischen der rationalen Entscheidung, dem Wohl unserer Kinder und meiner Sehnsucht nach Freiheit als Unternehmer. 

Es fühlte sich an, als würde es mich buchstäblich zerreißen. Wieviel meiner Seele müsste ich mit dieser Entscheidung verkaufen?

Die wirtschaftlich pragmatische Entscheidung wäre gewesen, angestellt zu bleiben und mein Unternehmen aufzugeben. Mein Job generierte damals sechzig Prozent des Haushaltseinkommens. Das heißt, wir waren darauf angewiesen, um den Kredit für unser Haus abzubezahlen.

Hatte ich also das Recht, das alles egoistisch aufs Spiel zu setzen?

In den letzten fünf Jahren war meine Antwort auf diese Frage ein klares NEIN, obwohl die Arbeitssituation unerträglich geworden war. 

Finanzielle Sorge macht leidensfähig

Vor fünf Jahren war ich von einem neuen Vorstandsmitglied quasi über Nacht aus meinem Job gedrängt worden, weil er eine seiner Gefolgsleute auf meine Position setzte, dabei allerdings sehr unprofessionell vorging.

Da ich es wagte, mich zu wehren und somit ein "unantastbares" Vorstandsmitglied anzugreifen, wurde ich zur Persona non grata, verlor meinen "High Potential" Status und bekam eine zweitklassige Management-Position. 

Das traf mich unerwartet mit voller Wucht. Mein Selbstwertgefühl hat damals so stark gelitten, dass ich mich weder in der Lage sah, einen Arbeitskampf durchzustehen noch mich extern zu bewerben. Also machte ich eine Faust in der Tasche und litt, Tag für Tag. 

Je unerträglicher es im Angestellten-Dasein wurde, desto mehr träumte ich davon, endlich mit meiner Selbstständigkeit meinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Ich arbeitete also verzweifelt tagsüber als Angestellte und nachts als Unternehmerin.

Drei Schritte in die Selbstständigkeit

Jetzt, da mein Körper allerdings unverkennbare Signale sendete, war klar, so ging es nicht weiter. Ich musste mich öffnen, konnte mir nicht mehr alleine den Kopf zerbrechen. 

1. Gedanken teilen statt alleine im Kreis drehen

Also beschloss ich, mit meinem Mann mögliche Optionen zu besprechen. Eigentlich war das zu dem Zeitpunkt längst überfällig. Allerdings hatte ich es immer wieder auf die lange Bank geschoben, weil ich Angst vor seiner Reaktion hatte.

Denn wir hatten endlich alles was wir uns wünschten: Zwei tolle Söhne, ein gemütliches „Pippi Langstrumpf“ Haus mit riesigem Garten für die Kinder inmitten eines wunderschönen Naturschutzgebietes und zwei gute Gehälter, die all das finanzierten. Wir hatten alles sorgfältig geplant und mein Mann hatte endlose Stunden handwerklicher Arbeit in den Bau des Hauses gesteckt.

Wie wahrscheinlich würde er also verständnisvoll reagieren, wenn ich daran dachte, meinen Job zu kündigen und alles zu riskieren, wofür wir so hart gearbeitet hatten? 

Übrigens, hatte ich erwähnt, dass ich mit einem Ingenieur verheiratet bin? Ingenieure hassen Risiken wie der Teufel das Weihwasser. 😅

2. Angst-Szenario der Selbstständigkeit verifizieren

Nun, es half alles nichts. Ich stand mit dem Rücken zur Wand. Also suchte ich eines Tages das Gespräch mit ihm. Ich legte meine Gedanken sorgfältig und vorsichtig dar. Währenddessen beobachtete ich seinen Gesichtsausdruck haargenau. Er hörte zu und sagte zuerst nichts.

Es fühlte sich an wie Minuten der Stille. Es war so still, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können.

Ich konnte es einfach nicht ertragen.

Also sprach ich hastig weiter. Ich sagte ihm, dass ich wisse, es sei nicht rational und dass wir es so nicht geplant hatten. Ich gestand ihm auch mein persönliches Horror-Szenario. Nämlich dass ich als Unternehmerin scheitern würde, wir das Haus verkaufen müssten, wir uns scheiden lassen würden, weil er mir das niemals verzeihen könne, und dass die Kinder dadurch zu Scheidungswaisen würden, was ganz sicher niemals meine Vorstellung war.

3. Rückendeckung von anderen erhalten

Während er mir zuhörte, hatte er ein undefinierbares Grinsen im Gesicht, das mich noch mehr verunsicherte.

Schließlich lachte er und sagte zu meinem großen Erstaunen: „Wenn wir das Haus verkaufen müssen, mieten wir halt einfach wieder eine Wohnung. Das hat ja früher schließlich auch funktioniert. Schlimmer als das Scheitern als Unternehmerin, Dagmar, ist, wenn du es nie versuchen würdest.“

Puh! Ich bin sicher, die ganze Nachbarschaft konnte den enormen Knall hören, als eine Riesen-Last von meinen Schultern fiel. Was für eine Erleichterung! 

Diese beiden Sätze waren der Grundstein für meine persönliche Freiheit.

Was für ein Geschenk!

Traum von Freiheit umsetzen 

Der Rest ist Geschichte. Ein paar Monate später verließ ich meinen Job mit einer satten Abfindung, die meine Selbstständigkeit finanzierte. 

Zwei Jahre später habe ich meinen Feinkosthandel erfolgreich verkauft. 

Seitdem konzentriere ich mich auf meine wahre Berufung als Leadership Coach und Trainer. Heute entwickle ich inspirierende Führungskräfte, die sich dadurch auszeichnen, dass sie auf die Stärken ihrer Teams bauen und überproportional wachsen.

Dieses entscheidende Gespräch mit meinem Mann hat mein Leben wirklich zum Besseren verändert. An diesem Abend habe ich gelernt, auch dann (oder gerade dann) Fragen zu stellen, wenn ich eigentlich davon ausgehe, genau zu wissen, wie andere denken oder fühlen.

Trau dich, du hast es verdient!

Mit meiner Geschichte möchte ich dir Mut machen, dich nicht von den Ängsten wie "kein Geld", "keine Kunden", "ich kann keine Akquise machen" beeinflussen zu lassen. 

Suche du dir ebenfalls Verbündete, die deine Idee unterstützen. Denn wenn du wirklich für etwas brennst, dann wirst du auch erfolgreich darin. 

Vor allem aber wirst du deutlich zufriedener und glücklicher im Leben. 

Die mentale Hürde ist die schwierigste

Die mentale Blockade zu lösen, ist der schwierigste erste Schritt. Danach geht alles andere relativ leicht. Natürlich kommen weitere Hürden, aber die nimmst du mit links, wenn einmal der Stein ins Rollen gekommen ist. 

Ich hoffe, ich konnte dich mit meiner Geschichte ermutigen, zumindest einmal laut mit jemand anderem darüber nachzudenken. Schreib mir gern, was du dazu denkst.

FAZIT

Viele träumen zwar von Selbstständigkeit, lassen sich dennoch von Existenzangst lähmen. Sie erlauben sich noch nicht einmal, den Gedanken wirklich zu Ende zu denken.

Dabei ist diese mentale Hürde am Anfang die schwierigste, die es zu nehmen gilt. Und der Rest ergibt sich von alleine. Suche dir in deinem Umfeld Verbündete, die dich unterstützen. 

Interesse an Coaching für mehr Mut zur Selbstständigkeit?


Dagmar Gerigk
Dagmar Gerigk

Dagmar ist Leadership Coach und Trainer sowie Expertin für New Work. Sie entwickelt starke Leader, die inspirierend führen - vor Ort, hybrid und digital auf Distanz. Resultat: Motivierte Teams und überproportionale Ergebnisse!