Choleriker werden gemeinhin als unangenehm empfunden, da sie ihr Umfeld häufig unkontrolliert maßregeln. Teilweise schreien sie lautstark und werden dabei gern persönlich verletzend. Die Betroffenen fühlen sich in die Enge getrieben und handlungsunfähig, wenn sie mal wieder mit einem derartigen Ausbruch an Aggressionen konfrontiert werden.

Sonnen- und Schattenseiten

Vorab sei an dieser Stelle gesagt, dass Choleriker nicht per se schlechte Menschen sind. Es ist primär ihr Verhalten, das nicht adäquat und vor allem nicht sozialverträglich ist. Dennoch zeichnen sie sich durchaus durch einige sehr brauchbare Eigenschaften aus.

Negative Eigenschaften aufbrausender Menschen

Laut dem Duden sind Choleriker „leidenschaftliche, reizbare, jähzornige Menschen“. Sie verfügen einerseits über eine geringe emotionale Selbstkontrolle und eine übersteigerte Impulsivität. Außerdem zeichnen sie sich in der Regel durch ein intensivesStreben nach Dominanz und ein starkes Hierarchiedenken aus.

Positive Eigenschaften von cholerischen Hitzköpfen

Andererseits allerdings verfolgen sie gleichzeitig auch sehr leidenschaftlich ihre Vorhaben. So verfügen sie über eine ausgeprägte Dynamik und eine hohe Leistungsbereitschaft. Das geht einher mit viel MotivationWillensstärke und Eigeninitiative.

Du siehst, wenn man es einmal neutral und mit dem nötigen Abstand betrachtet, ist es ganz schön verzwickt. Denn die positiven Eigenschaften können sehr wohl gewinnbringend für ein Unternehmen sein. Das erklärt vielleicht auch, weshalb es mancherorts in Führungspositionen durchaus eine größere Dichte an Cholerikern geben mag, als anderswo.

Jähzorn ist keine Seltenheit 

Jähzorn ist keine Seltenheit. „Etwa jeder vierte Erwachsene hat ein Jähzorn-Problem“, sagt der Psychologe Theodor Itten aus St. Gallen. In seiner Praxis in St. Gallen hat er unzählige Opfer von Jähzornigen und Choleriker selbst therapiert.

Unser Blogartikel "Jähzorn: Ich bin Choleriker! Was kann ich dagegen tun?" geht darauf ein, was ein Choleriker selbst tun kann, wenn er sein Verhalten ändern möchte.

Betriebliche Auswirkungen von Cholerikern

Nichtsdestotrotz schaden hitzköpfige impulsive Menschen dem Betriebsklima enorm. Wenn man ihnen ungebremst freien Lauf lässt, können sie das fruchtbringende Miteinander in einer Abteilung ernsthaft stören. Im Extremfall bringen sie sogar ganze Teile eines Unternehmens zum Erliegen.

Die Betroffenen leiden

Das liegt daran, dass das Umfeld eines Cholerikers sich angegriffen fühlt. Es hält sich für zu Unrecht verurteilt und auf eine Lichtung gestellt. Nicht selten leidet das Selbstbewusstsein der Betroffenen unter den Angriffen. Ja, manchen Menschen flößt der Choleriker sogar Angst ein.

Die Produktivität sinkt

Die Betroffenen können sich folglich nicht mehr auf ihren Job konzentrieren. Sie sind defokussiert. Es braucht viele Gespräche in der Kaffeeecke unter Kollegen, um die Angriffe zu verdauen. Das ist wertvolle und unnötige Zeit, die nicht im Sinne der Wertschöpfung des Unternehmens genutzt werden kann.

Zusätzlich breitet sich in einem derart angespannten Betriebsklima früher oder später automatisch ein harscherer Umgangston aus. Es ist in der Tat wie eine ansteckende Krankheit. Das lehrt uns schon das Sprichwort „Wie du kommst gegangen, so wirst du auch empfangen“.

Choleriker schädigen das Ansehen des Unternehmens

Und sofern der Choleriker sogar extern im Außenverhältnis zu Kunden und Lieferanten seiner Wut und Aggression freien Lauf lässt, wirkt es extrem unprofessionell.

Choleriker schaden dem Geschäft also gleich mehrfach:

  1. Das Betriebsklima wird ruiniert.
  2. Die Organisation gelähmt.
  3. Produktivität und Umsatz werden geschmälert.
  4. Der Ruf des Unternehmens nimmt Schaden.

Choleriker: Zwei Typen

Deshalb ist es ratsam, den Choleriker frühzeitig in seine Schranken zu verweisen. Dabei ist es hilfreich, sich vorab zu unterscheiden, um welche Art von Choleriker es sich handelt. Denn je nachdem, um welchen Typus es sich handelt, ist eine unterschiedliche Reaktion eher zielführend.

Der Brüll-Löwe

Der „Brüll-Löwe“ wird landläufig als unangenehmer empfunden. Schließlich nimmt er sich durch sein cholerisches Dominanz-Gehabe bewusst oder unbewusst das Recht heraus, andere unkontrolliert angreifen zu dürfen. Er lebt nach dem Denkmuster „Meine Wahrheit ist die einzig richtige“.

Der aufgekratzte Hahn

Der „aufgekratzte Hahn“ hingegen ist eher überfordert mit der aktuellen Situation und wird aus dem Grund aufbrausend. Die Intention ist hier eher, die Sache zu retten, statt andere persönlich anzugreifen und herabzusetzen.

Auch wenn hier immer von der männlichen Form die Rede ist, Choleriker gibt es sowohl unter Männern wie Frauen. Cholerisches Verhalten ist ein Persönlichkeitsmerkmal und hat nichts mit dem Geschlecht zu tun.

Um welchen Typus es sich auch handelt, eins steht fest: Unangenehm sind sie beide. Ein produktives und harmonisches Miteinander ist mit beiden nicht möglich, sofern sie nicht „eingefangen“ werden.

Hitzige Choleriker Typen in den Griff bekommen

Das Schwierige im Umgang mit Cholerikern ist sicherlich auch, dass sie in „normalen“ Situationen durchaus gesellig, witzig und interessant sein können. Gerade dann wiegt es besonders schwer, wenn er oder sie im Affekt wieder einmal verbal entgleist und beleidigend wird.

Zügig in die Schranken verweisen

Deshalb sollten Choleriker möglichst rasch in die Schranken verwiesen werden. Denn langfristig sind solche Wutanfälle extrem kräftezehrend für die gesamte Organisation. Und ohne Veto wird der Choleriker von alleine niemals damit aufhören.

Die richtige Reaktion gegenüber Cholerikern

Die meisten Menschen neigen beim Kontakt mit einem Choleriker dazu, sich zurückzuziehen. Sie versuchen, den Kontakt weitestgehend zu meiden. Im Unmittelbaren Moment sind sie sprachlos und wortkarg. Sie sind schlichtweg überwältigt von den Angriffen und einfach fassungslos.

Allerdings ist Wegducken keine gute Strategie. Denn vor allem der Typus „Brüll-Löwe“ ist ein Machtmensch. Und Machtmenschen reagieren auf Schwäche – und so empfinden sie das Wegducken – nicht mit Fürsorge, sondern indem sie erbarmungslos zuschlagen.

Sprich, wenn die Betroffenen sich in die Opferrolle begeben, haben sie verloren. Der hitzköpfige Mensch wird nur noch mehr angestachelt. Vor allem erhält er innerlich die Bestätigung, auf dem richtigen Weg zu sein. Darum wird er beim nächstem Mal genauso reagieren.

Die Lösung kann also schlechterdings sein, den Choleriker einfach gewähren und ungestraft wüten zu lassen. Zielführender ist, ihm sein Verhalten zu spiegeln und konsequent klar zu machen, dass es unerwünscht ist.

Um die Opferrolle zu vermeiden, ist es wichtig, dass du dich nicht einschüchtern lässt. Mach dir klar, dass der Choleriker zwar lauter, aber nicht mächtiger ist.

Denn wie sagt schon ein altes Sprichwort: „Ein getroffener Hund bellt.“ Das bedeutet nichts anders, als dass der Choleriker etwas will, ein Anliegen hat. Er ist „getroffen“. Mit anderen Worten, er will etwas von dir. Er will dass du etwas tust oder eben unterlässt. Er will etwas. Nicht du.

Und wenn er etwas will und du nicht, wer ist dann mächtiger?

Richtig, du. Du bist mächtiger. Denn Macht hat immer der, der weniger vom anderen will.

Handlungsoptionen für den Choleriker

Im Umgang mit dem Choleriker hast du verschiedene Handlungsoptionen, die du wahlweise nutzen kannst.

Selbstbewusstsein demonstrieren

Dabei ist es wichtig, dass du selbstbewusst auftrittst. Versuche unabhängig davon, wie du dich gerade innerlich fühlst, zumindest nach Außen Stärke zu demonstrieren, indem du …

  • … aufrecht und fest auf beiden Beinen stehst
  • … direkten Blickkontakt hältst
  • … deine Position behältst, d.h. nicht zurückweichst
  • … mit fester Stimme, langsam und deutlich sprichst

Das folgende Video zeigt anschaulich, wie dir das gelingt:

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Den Raum verlassen

Diese Taktik ist dann zu empfehlen, wenn du vielleicht das erste Mal völlig unvorbereitet auf einen Choleriker stößt. Dann bist du in der Regel zu perplex, um spontan und souverän zu reagieren.

In dem Fall ist die Rückzugtaktik durchaus angebracht. Aber bedenke: Nicht Flucht, sondern souveräner Abgang lautet die Devise. Auch hier gilt, was unter dem Punkt Selbstbewusstsein aufgelistet ist.

Reagiere ruhig in etwa folgendermaßen: „Ok, so möchte ich das Gespräch nicht fortsetzen. Ich werde jetzt den Raum verlassen. Wir können unser Gespräch gerne fortsetzen, wenn Sie sich beruhigt haben. Geben Sie mir Bescheid, wenn Sie so weit sind.“

Und dann mache ohne weitere Worte einen Abgang. Damit gibst du ihm die Möglichkeit, sein Verhalten zu reflektieren. Viel wichtiger allerdings: Du hast ihm den Auftrag erteilt, wieder auf dich zuzukommen. Er muss jetzt den nächsten Schritt machen.

Choleriker um vertrauliches Gespräch bitten

Sofern sich der cholerische Anfall im Rahmen eines größeren Kreises wie beispielsweise einem Meeting abspielt, bittest du ihn ganz in Ruhe aber bestimmt um ein klärendes Gespräch unter vier Augen.

Und lass hier nicht locker, bevor er sich nicht auf einen Termin mit dir geeinigt hat. Und mit Termin meine ich nicht in 3 Tagen oder Wochen. Nein. Er sollte entweder direkt im Anschluss an das Meeting oder eine Stunde später stattfinden.

Wichtig ist, wie schon vorher erwähnt, dass du derartige Entgleisungen sofort und unmittelbar ahndest. Sie dulden keinen Aufschub, denn es steht zu viel auf dem Spiel.

Verbündete suchen

Sehr wirkungsvoll ist es, wenn der Wüterich spürt, dass er nicht nur einen Gegenspieler hat, sondern mehrere. Denn wenn er nicht mehr nur sein ausgewähltes „Opfer“ vor sich hat, sondern sich gleich mit die Meinung mehrerer Kollegen auseinandersetzen muss, bringt ihn das eventuell eher zur Einsicht.

Verbündete können andere Kollegen sein, der Betriebsrat oder auch der nächst höhere Vorgesetzte. Wen du einschaltest, hängt vom Grad der Eskalation ab. Das entscheidest du individuell von Fall zu Fall.

Choleriker einfangen

Ein aufbrausendes, cholerisches Verhalten stellt ein unerwünschtes Sozialverhalten dar. Das gilt sowohl für das berufliche wie private Umfeld.

Im beruflichen Kontext ist es deine Pflicht als Führungskraft, Cholerikern Einhalt zu gebieten. Denn der wirtschaftliche Schaden, den sie anrichten, ist enorm.

Die Tipps aus diesem Beitrag helfen dir, den Umgang mit Cholerikern souveräner zu gestalten. Darüber hinaus kannst du zusätzlich mit einem systemischen Coach individuell an deiner Situation arbeiten. Er hilft dir, Gespräche mit dem Choleriker individuell vorzubereiten. So behältst du stets die Oberhand.

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Dagmar Gerigk
Dagmar Gerigk

Dagmar Gerigk ist Inhaberin von Vamos! Sie coacht Unternehmer und Manager, ihren individuellen Führungsstil auf digitale Führung, Agilität und stabiles Wachstum auszurichten und sich damit von der gesamten Konkurrenz abzuheben. RESULTAT: Mehr Leistung als je zuvor.